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Interview mit Thomas Sattelberger

Bild: Thomas Sattelberger

Thomas Sattelberger, Themensäule "Führung"

Seit 2012 stand Thomas Sattelberger, Publizist und ehemaliger TOP-Manager, als INQA-Themenbotschafter für das Thema Führung. Er hat die Ausgestaltung und Kommunikation des Handlungsfelds Führung bei INQA maßgeblich geprägt. Aufgrund anderer Verpflichtungen steht Herr Sattelberger nicht mehr für dieses Ehrenamt zur Verfügung. Eine Neubesetzung wird vorbereitet.


Warum brauchen wir heute eine neue Führungskultur?


Mittelständische und große Unternehmen müssen für die disruptive Transformationsphase, in der sich die Wirtschaft derzeit befindet, unbedingt wetterfest gemacht werden. Wir leben in einer Zeit des demografischen Umbruchs, der zunehmend mit einem Wertewandel hin zur Individualisierung einhergeht. Technologisch dagegen fordert die digitale Revolution ein Umdenken in kleinen wie großen Unternehmen. Wir brauchen eine Arbeitskultur, die einerseits den Ansprüchen der Menschen gerecht wird und auf der anderen Seite Innovationsfähigkeit sicherstellt. Kreative Talente – egal ob Auszubildende, Akademiker oder beruflich Qualifizierte - wollen heute mehr Teilhabe und sich nicht in eine überkommene Unternehmenskultur pressen lassen. Wer zukunftsfähig bleiben möchte, muss eine zeitgemäße Unternehmens- und Führungskultur etablieren. 


Welche Erfahrung in Bezug auf Führungskultur hat Sie selbst in Ihrer langjährigen Praxis als Führungskraft und Personalvorstand am meisten geprägt?


Selbst als Vorstand hat man Konflikte mit „oben“ auszutragen. In einem der Konzerne, in denen ich tätig war, mussten wir eine schwierige Entscheidung mit schwerwiegenden sozialen Konsequenzen treffen – eine Entscheidung, die betriebswirtschaftlich begründet, aber durch Öffentlichkeit wie Medien überhaupt nicht nachvollzogen wurde. Es dauerte viele Wochen, bis ich erkannte, dass nicht nur der Weg der falsche war,  sondern ich auch mit meinem Vorstandsvorsitzenden in einen Clinch zu gehen hatte. Diese Auseinandersetzung im Spannungsfeld zwischen „Ober sticht Unter“ und „was ist falsch und was ist richtig?“ begleitet einen im Beruf lebenslang – und diese Erkenntnis empfinde ich rückblickend als sehr prägend.


Was können Unternehmer tun, die ihre Führungsqualität verbessern möchten? An wen können Sie sich wenden?


Feedback ist das Frühstück der Champions – wer klug ist, hört nicht nur zu, sondern lernt auch dazu. Führungskräfte müssen direktes und klares Feedback einfordern – und zwar nicht von Günstlingen und Speichelleckern, sondern von ehrlichen „Überzeugungstätern“, die keine Angst vor dem Äußern unbequemer Meinungen haben und sich wertvolle Gedanken über das Unternehmen machen. Unternehmen sollten Gesprächsrunden zur Führungskultur initiieren und sich in Arbeitgeberwettbewerben messen lassen. Und natürlich gibt es auch für die ersten Schritte bei der Initiative Neue Qualität der Arbeit Unternehmens-Checks, Handlungshilfen und wertvolle Beratungsangebote.