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Interview mit Katrin Ripken

 

Die Fleischerei Ripken ist ein modernes Fleischer-Fachgeschäft, das im Hochbetrieb bis zu 20 Mitarbeiter*innen beschäftigt. Die Eheleute Ripken haben das Familienunternehmen 2002 übernommen und damals komplett saniert und modernisiert. 80 Prozent der Ware werden traditionell mit der Hand, jede Woche frisch, nach bewährten Rezepten gefertigt. Zudem wird jeden Tag ein Mittagstisch für rund 120 Personen zubereitet. Seit April 2012 bietet das Fachgeschäft einen 24 Stunden frisch befüllten Wurst- und Fleischautomaten an. Weitere Säulen des Geschäfts sind der Party- und Grillservice, der Lieferservice mit frischen Produkten für Restaurants, Cafés und Pflegeheime sowie eine Präsente-Abteilung. In 2018/19 hat der Familienbetrieb am Beratungsprogramm uWM teilgenommen.  Aktuell findet eine uWM plus-Beratung im Betrieb statt. Eines der vielen sichtbaren Ergebnisse: Seit drei Monaten verfügt das Fachgeschäft mit einem Online-Shop über einen neuen Vertriebskanal.


Mit welchen Herausforderungen sahen Sie sich in Ihrem Unternehmen konfrontiert?


Zum einen wollten wir alte Strukturen aufbrechen, raus aus unserer Komfortzone, und dem betrieblichen „Hamsterrad“ entgehen. Als Familienunternehmen sahen wir uns auch mit Familien- und Generationenkonflikten konfrontiert, die im Laufe des Prozesses aufgearbeitet werden mussten. Doch auch die Frage, wo wir in fünf bis zehn Jahren stehen hat uns beschäftigt, denn wer sich jetzt nicht mit der Digitalisierung beschäftigt, verliert in der Zukunft. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Einbindung von älteren Mitarbeiter*innen in den Prozess und die Frage wie wir es schaffen, dass ein gesundes, stressfreies Arbeitsumfeld für unsere Mitarbeiter*innen entsteht, damit diese auch auf lange Sicht noch bei uns arbeiten möchten.


Wie lief die Beratung ab und worauf haben Sie sich mit Ihren Beschäftigten verständigt?


Mit unserer Beraterin Maren Ulbrich haben wir zuerst viele persönliche Gespräche geführt, angefangen mit meinem Mann und mir bis hin zu jeder und jedem einzelnen Mitarbeiter*in im Betrieb. Daraus haben sich viele Themen und Projekte ergeben, mit denen wir sofort begonnen haben. Es gab tolle Workshops mit dem gesamten Team, auch außerhalb der Betriebsräume.

Die Mitarbeiter*innen haben wir, je nach individueller Motivation und Fähigkeiten mit einbezogen. So konnten wir gemeinsam digitale Lösungen finden - für die Produktion und den Verkauf. Die ersten digitalen Kanäle wurden zur internen Kommunikation erstellt, wie zum Beispiel Messenger-Gruppen.
Es gibt seitdem morgendliche Team-Besprechungen sowie mehrere Besprechungen in der Woche. Wir haben festgestellt, dass das Thema Kommunikation in einem Handwerksbetrieb sehr wichtig ist.
Auch haben wir als Inhaber an vielen Seminaren und Vorträgen teilgenommen, um uns weiterzubilden.


Können Sie schon Veränderungen bemerken, wurden bereits konkrete Ergebnisse erzielt?


Es gibt zahlreiche Veränderungen: So wurden in verschiedenen Abläufen direkt von Woche zu Woche kleine Stellschrauben gedreht und umgesetzt. Wir haben ein neues Logo entwickelt und einen neuen Internet-Auftritt gestaltet. Im Zuge des neuen Internet-Auftritts haben wir einen Online-Shop eröffnet. Zudem sind wir jetzt sehr aktiv auf sozialen Kanälen. Wir haben uns im Sinne der Nachhaltigkeit mit unseren Verpackungen beschäftigt. So bieten wir zum Beispiel Weck-Gläser zum Wiederverwenden an und nutzen Papier an Stelle von Aufklebern.

Auch haben wir im Laden einiges geändert. Zum Beispiel haben wir einen Fernseher im Verkaufsraum aufgehängt, der unseren Kund*innen Informationen über Angebote und die Herkunft unserer Fleischprodukte bietet. Eine weitere Änderung sind modernere Kassen, aufbauend darauf entwickeln wir gerade einen digitalen Arbeitsplatz unter dem Motto „Weg von Papier und Zetteln“. Dazu nutzen wir PCs und Tabletts, um Bestellungen direkt digital einzugeben und nehmen auch die Partyservice-Beratung direkt digital vor.

Auch haben wir es möglich gemacht, dass unsere Kund*innen per Messenger-App bestellen können. Dies hilft uns besonders in Bezug auf die Corona-Pandemie, da sich im Zuge der Beschränkungen lediglich vier Kund*innen im Verkaufsraum aufhalten dürfen. Wir haben das so geregelt, dass sich drei Laufkund*innen und ein*e Abholer*in gleichzeitig im Laden aufhalten dürfen.
Aufgrund der vielfältigen Veränderungen konnten wir trotz aller Schwierigkeiten, der Stornierungen von Partyservice-Aufträgen usw. unseren Umsatz gegenüber dem letzten Jahr steigern.


Was, glauben Sie, hat in Ihrem Unternehmen zum Erfolg der Beratung beigetragen?


Erst einmal ist es wichtig, dass man ein*e Prozessberater*in hat, der oder dem man vertraut. Auch war unsere Einstellung und Erkenntnis als Inhaber, dass sich etwas ändern muss ausschlaggebend. Wir haben erkannt, dass man eine Agenda 2030 braucht und dass ein Unternehmen ohne Digitalisierung keine Zukunft hat.

Was uns sehr wichtig ist, ist die Mitarbeiter*innen mit einzubeziehen, gemeinsam an den Projekten zu arbeiten und nach Lösungen zu suchen. Hier spielt die Kommunikation miteinander eine große Rolle. Auch Verantwortung als Unternehmer abzugeben und Vertrauen in seine Mitarbeiter*innen zu haben, sie wertzuschätzen und Fehler machen zu lassen, das hilft, den Spaß nicht zu verlieren.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, sich die Zeit dafür zu nehmen. Viele, viele Stunden Arbeit stecken in diesem Projekt und man muss überzeugt sein, dass das der richtige Weg ist.

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