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Interview mit Kristine Simonis, Geschäftsführerin der Radissimo GmbH

Team von Radissimo auf einem Fahrrad.

 

Das 2004 gegründete Unternehmen Radissimo aus Karlsruhe bietet besondere Radreisen an. Ein siebenköpfiges Team organisiert Individual- und Gruppenreisen mit dem Fahrrad sowie Reisen mit Rad und Schiff quer durch Europa. Im Rahmen des Förderprojektes unternehmensWert:Mensch plus errichtete Radissimo einen Lern- und Experimentierraum, um an den Herausforderungen der Digitalisierung systematisch zu arbeiten und das Unternehmen zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.


Frau Simonis, mit welchen Herausforderungen sahen Sie sich in Ihrem Unternehmen konfrontiert?


Die veränderten Anforderungen unserer Kundinnen und Kunden stellten unser kleines Team vor Herausforderungen. Statt fertiger Reisepakete wünschen sich viele Menschen individuell geplante Reisen, statt gedruckter Karten möchten sie via GPS mit dem Smartphone navigieren. Außerdem soll die Kommunikation mit unserem Team flexibel und online funktionieren. Es fehlte uns an einigen Stellen an Kompetenzen, auf diese Anforderungen im Rahmen der Digitalisierung einzugehen. Deshalb haben wir uns für das Programm unternehmensWert:Mensch plus entschieden. Wir wollten Maßnahmen entwickeln, um unser Unternehmen zukunftsfähig zu machen.


Wie lief die Beratung ab und auf was haben Sie sich verständigt?


In drei Arbeitsphasen bearbeitete unser Lab-Team verschiedene Aspekte zum Thema Digitalisierung. In jeder Arbeitsphase entstanden Maßnahmen, die unseren Arbeitsalltag veränderten. In der ersten Arbeitsphase beschäftigte sich das Lab-Team zum Beispiel mit dem Thema Kommunikation. Wir führten einen Online-Chat ein, in dem unsere Kundinnen und Kunden auf unkomplizierte Weise ihre Fragen loswerden können. Außerdem erweiterten wir unsere interne Kommunikation um digitale Kanäle wie WhatsApp. Die zweite Arbeitsphase widmete das Team der Weiterentwicklung der Produkte. Wir entschieden uns dafür, das komplette Buchungssystem durch ein neues zu ersetzen, um individuellere Reiseplanungen zu ermöglichen. Darüber hinaus legten wir den Grundstein für die Entwicklung einer App, die Kundinnen und Kunden zukünftig alle Services zu ihrer Reise zentral bereitstellt. Die dritte und letzte Arbeitsphase richtete den Blick auf das Unternehmensinnere und stellte die Frage nach dem "Arbeitsplatz der Zukunft". Diese Arbeitsphase läuft derzeit noch und die Mitarbeitenden entwickeln ihre Visionen, wie sie in einigen Jahren arbeiten möchten. Dabei kam bereits heraus, dass sie in Zukunft papierlos arbeiten wollen. Das bezieht sich sowohl auf Reiseunterlagen als auch auf interne Vorgänge und die Finanzbuchhaltung. Außerdem wird daran gearbeitet, die technische Ausstattung am Arbeitsplatz durch drahtlose Headsets und Tablets zu verbessern.


Können Sie schon Veränderungen bemerken, wurden bereits konkrete Ergebnisse erzielt?


Die Maßnahmen, die der Lern- und Experimentierraum bereits hervorgebracht hat, erleichtern in vielen Bereichen die Arbeitsprozesse. Beispielsweise ist der Versand von Versicherungsunterlagen jetzt einfacher, da diese direkt von der Versicherung per E-Mail an die Versicherten geschickt werden. Wir müssen die Unterlagen nicht mehr postalisch weiterleiten. Gleichzeitig bringen die Veränderungen aber auch neue Herausforderungen für uns mit sich. Das zeigt sich beispielswiese bei der Einführung des neuen Kunden-Chats. Die bisherige Regelung für die Telefonbesetzung funktioniert einfach nicht mehr. Hierfür mussten wir eine neue Lösung finden. Außerdem wurden unsere Mitarbeitenden über den anonymen Chat plötzlich mit Beleidigungen und unangemessenen Nachrichten konfrontiert. Hierauf reagieren wir, indem wir die übergriffigen Nachrichten sammeln, um auf dieser Basis für alle Mitarbeitenden einheitliche Guidelines und Standardantworten zu entwickeln.


Was glauben Sie, hat in Ihrem Unternehmen zum Erfolg der Beratung beigetragen?


Die vorgegebene Struktur und der straffe Zeitplan haben uns sehr dabei geholfen, Dinge wirklich anzupacken und nicht zu verschleppen. Durch die festgelegten Zeitfenster haben wir gelernt, effektiv und konzentriert an unseren Fragestellungen zu arbeiten und nicht abzuschweifen. Das ist eine Arbeitsweise, die wir nun verinnerlicht haben und die wir mit Sicherheit auch zukünftig weiter durchziehen werden. Auch wenn jetzt das geförderte Projekt endet, geht der begonnene Prozess weiter. Das Lab-Team bleibt weiterhin bestehen und trifft sich regelmäßig. Zahlreiche Punkte, die angestoßen wurden, müssen auch weiter vorangetrieben werden. Für unser Unternehmen war das Projekt der Startschuss auf dem Weg in die digitale Zukunft. Die Begleitung durch einen erfahrenen Unternehmensberater im Rahmen der Projektförderung war für uns enorm hilfreich. Wir würden deshalb jedem anderen kleinen Unternehmen empfehlen, sich externes Fachwissen und Unterstützung zu holen.

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